Professor Doom oder Opportunität? Warum Sales-Led Commerce ein Systemdefekt ist | Zwei mit Schuss #104

In Folge 104 von „Zwei mit Schuss“ (Juli 2026) geht es laut Beschreibung um die Frage, ob Sales-Led Commerce im Modehandel ein Systemdefekt ist. Stefan Wenzel nimmt den „Professor Doom“-Stempel an, Ruppert Bodmeier hält operativ dagegen; Themen sind unter anderem Rabattquoten, Überhänge, Working-Capital-Bindung und Entscheidungsparalyse.

Hat er wirklich Systemdefekt gesagt? Professor Doom meint: Don't shoot the messenger, die Zahlen sind die Zahlen. Das Modell, auf dem zumindest der Modehandel operiert: 18 Monate im Voraus committen, Mengen bündeln, maximale Auswahl in den Markt kippen und hoffen, dass der Silberblick in der Glaskugel stimmt. Wenn nicht – und er stimmt meistens nicht –, dann Rabatte. 30 bis 40 Prozent Rabattquote. Zudem Riesenprobleme mit Retouren, weil sich niemand mit Größen und Passformen beschäftigt. Am Ende der Saison 20 bis 30 Prozent Überhänge. 40.000 Tonnen pro Jahr in der chilenischen Wüste. Und die Working-Capital-Bindung? 170 Tage und mehr noch als vor Corona. Das ist kein Pech, das ist ein defektes System.Die Gegenmodelle existieren. Zara operiert mit Überhängen unter einem Prozent und solider Profitabilität. Shein dreht die Logik komplett um: erst Nachfrage verstehen – Instagram, Social, Trends – dann kleine Testmengen, dann skalieren, was funktioniert. Innerhalb einer Woche im Markt. Kein Voodoo, ein anderes Modell. Ruppert hält dagegen: Schöne PowerPoint-These, aber operativ ein völlig anderes Spiel. Wo ist der Handlungsspielraum des Händlers, der am Tropf der Hersteller hängt?In dieser Episode von „Zwei mit Schuss" – dem etwas anderen Business-Podcast über E-Commerce, Künstliche Intelligenz, Plattformökonomie, Innovation und Leadership – nimmt Stefan Wenzel den Professor-Doom-Stempel an und erklärt, warum Doom und Opportunität kein Widerspruch sind, während Ruppert Bodmeier live Sven Rittau Nachrichten tippt.🔍 Themen dieser Folge:Professor Doom und der K5-Nachgang: Warum Systemdefekt keine Beleidigung, sondern eine Diagnose istSales-Led vs. Demand-Led Commerce: Schrotflinte vs. Skalpell170 Tage Working Capital, 40 % Rabatt, 30 % Überhang – die Parameter des DefektsEntscheidungsparalyse: Warum 19 Varianten Gelb zu null Conversions führenSortimentsproduktivität: Die Metrik, die niemandem gehörtPlattformökonomie: Warum Amazon kein Interesse an produktiven Sort

STEFAN WENZEL