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**TextilWirtschaft** | 2025 | [Originalartikel](https://www.textilwirtschaft.de/business/news/retouren-management-in-der-mode-fast-alles-in-handarbeit-250326)
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## Retourenprüfung: Fast alles in Handarbeit
von Bert Rösch
Retouren sind bekanntlich der größte Renditekiller im deutschen Online Modehandel. Umso wichtiger ist es, die Rückläufer effizient und somit kostengünstig zu bearbeiten. Die TW hat drei große Online-Modehändler und zwei bedeutende Textil Logistikdienstleister nach ihren Methoden und Erfolgen befragt. Zu Wort kommen auch renommierte Forscher und Experten, die sich intensiv mit dem Thema Retourenbearbeitung auseinander gesetzt haben.
Neulich in einem Logistikzentrum eines Modeversenders: Begleitet von einem Zischen der Hydraulik und einem laut piependen Warnsignal öffnet sich die Ladeklappe eines Sattelschleppers, der gerade eine Laderampe erreicht hat.
Sofort schwirrt eine Schar autonomer Logistikroboter zum Laderaum, in dem sich Hunderte Retourenpakete befinden. Mithilfe ihrer Greifarme bringen die sogenannten Autonomous Mobile Robots (AMR) die Sendungen zu einem Laufband. Dort öffnet ein anderer Roboter die Pakete, entnimmt die Ware und legt sie auf ein anderes Band, wo die Etiketten der Produkte automatisiert gescannt werden.
Dann durchqueren die Rückläufer einen Fototunnel, der mithilfe von KI gesteuerter Bilderkennung nach Gebrauchsspuren wie Löchern, Flecken und abgerissenen Knöpfen sucht. Anschließend fahndet ein Geruchsdetektor nach Zigarettenrauch und Schweiß. Spätestens an dieser Stelle dürfte der Leiter des Logistikzentrums aufwachen. Schließlich ist die Retourenmanagement-Wirklichkeit noch weit von dem entfernt, was der Manager gerade geträumt hat.
### KI stößt schnell an ihre Grenzen
Der Grund: Moderne Techniken wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz können bei der Bearbeitung von Retouren nur begrenzt eingesetzt werden. Das gilt besonders für Rückläufer von Online Modehändlern, die Tausende unterschiedliche Produkte im Sortiment haben, die zudem teilweise in einer sehr hohen Taktung auf den Markt kommen.
"Daher ist es noch relativ schwierig, die Qualitätskontrolle und die Sortierung rein automatisiert ablaufen zu lassen", erklärt Alien Mulyk, die beim E-Commerce-Verband bevh als Geschäftsführerin unter anderem für das Thema Retouren zuständig ist.
"Es geht nicht nur darum, Schäden festzustellen, was mithilfe von KI gelingen könnte, sondern etwa auch darum, ob die Kleidungsstücke schlecht riechen. Und mir ist noch keine KI bekannt, die das feststellen kann. Daher wird noch viel in Handarbeit gemacht."
Kamil Christoph Kasprowicz, Cluster Manager Paketlogistik Süd bei Hermes Fulfilment, kann das nur bestätigen. Seinen Schilderungen zufolge packen die Mitarbeiter in den Retourenbetrieben der Otto Group-Tochter die Sendungen aus, kontrollieren den Kundenbezug, nehmen die zurückgeschickten Kleidungsstücke aus den Polybeuteln und überprüfen die Retouren "mit geschulten Augen" auf Beschädigungen und Gebrauchsspuren.
Anhand einer Checkliste muss das Retourenpersonal Antworten auf viele Fragen finden, darunter: "Lässt sich der Reißverschluss der Hose einwandfrei öffnen? Ist die Größe des rechten Schuhs mit der des linken identisch? Gibt es Kratzer am Leder oder an der Sohle?", erklärt Kasprowicz.
Wenn die Ware in Ordnung ist, wird sie von Hand zusammengelegt und anschließend mithilfe von Folienmaschinen neu verpackt. Schwer vorzustellen, dass all diese Schritte auch von Robotern durchgeführt werden können.
### Lohnt sich die Investition in KI?
Selbst wenn sich das in naher Zukunft realisieren lässt, ist es zweifelhaft, dass sich diese Investitionen rentieren. "Wenn ohnehin ein Mensch den Karton öffnet und die Ware herausnimmt, dann stellt sich die Frage, ob diese Person nicht auch die Beurteilung der Ware vornehmen kann. Sprich: Ergibt es wirklich Sinn, die Arbeitsschritte zu trennen? Das könnte gegen eine Technologisierung der Prozesse sprechen", sagte Marco Atzberger, Geschäftsleiter des EHI Retail Instituts, im Interview mit der Textilwirtschaft.
"Intelligente Bilderkennungslösungen könnten ebenso gute Ergebnisse liefern wie ein Mensch. Vielleicht sogar gleichmäßigere Resultate, weil immer dieselben Beurteilungskriterien herangezogen werden."
Hinzu komme das Problem, dass die Kunden ihre Bestellungen auf völlig unterschiedliche Art und Weise zurückschickten. Zum Beispiel in Kartons, die nicht vom jeweiligen Versender stammen. Oder sie stopfen die Ware einfach in eine Plastiktüte, anstatt sie fein säuberlich zusammenzufalten.
Der Retourenexperte kann sich aber vorstellen, dass früher oder später eine KI-Anwendung auf den Markt kommt, die mithilfe von Bilderkennungs-Software feststellt, in welchem Zustand sich die Retouren befinden.
Als Grund nennt er den zunehmenden Fachkräfte-Mangel, der die Logistiker zu mehr Automatisierung zwinge. "Intelligente Bilderkennungslösungen könnten ebenso gute Ergebnisse liefern wie ein Mensch. Vielleicht sogar gleichmäßigere Resultate, weil immer dieselben Beurteilungskriterien herangezogen werden."
Menschen würden hingegen häufig zu unterschiedlichen Urteilen kommen. "Mir ist allerdings nicht bekannt, wo eine solche Technik in einem größeren Maßstab operativ eingesetzt wird", sagt der studierte Wirtschaftsinformatiker.
### Zwei von drei Modesendungen gehen wieder zurück
**Retourenquoten im deutschen E-Commerce**
n = 115 Unternehmen, die Befragung wurde im Zeitraum Mai bis September 2021 online durchgeführt.
| Cluster | paketbezogene Retourenquote | artikelbezogene Retourenquote | Artikel pro Retourensendung |
|:-----------------|:----------------------------|:-----------------------------|:----------------------------|
| Mode | 64,3% | 33,6% | 2,7 |
| Freizeit | 10,6% | 7,6% | 1,6 |
| Einrichtung | 5,0% | 4,5% | 1,1 |
| Unterhaltung | 5,4% | 4,9% | 1,2 |
| Andere | 4,1% | 3,8% | 1,2 |
Für den Hermes-Manager Kasprowicz ist der KI-gestützte Retouren-Scan ebenfalls noch Zukunftsmusik: "Bei der Begutachtung der zurückgeschickten Ware ist die Mensch-Auge-Koordination der Technik bisher überlegen. Es dürfte also noch einige Zeit dauern, bis KI auch diesen Prozess revolutionieren und vereinfachen wird."
### Amazon und Frate geben Richtung vor
Es gibt aber mindestens zwei Anwendungen, die stark in diese Richtung gehen. So hat etwa das kanadische Start-up Frate eine KI-Bilderkennung entwickelt, die den Prüfprozess für Retouren teilweise an den Aufenthaltsort des Kunden verlagert.
Dieser muss ein Foto des Modeprodukts hochladen, bevor er es an den Online-Shop-Betreiber zurückschickt. "Die intelligente Software von Frate analysiert und bewertet dann den Zustand der Ware in Sekunden", erklärt der Hamburger E-Commerce- und Handelsberater Stefan Wenzel.
**Hohes Retourenaufkommen in der Mode**
So hoch waren die Rücksende-Raten 2024 in der deutschen Online-Modebranche und zwei benachbarten Wirtschaftszweigen gewesen.
Lesebeispiel: 2024 haben 51% der Online-Händler von Mode und Accessoires eine Retourenquote von 26 bis 50% verzeichnet.
| | Mode und Accessoires | Wohnen und Einrichten | Sport & Freizeit |
|:------------------|:---------------------|:----------------------|:-----------------|
| Null bzw. fast keine Retouren | 4 | 6 | 5 |
| 1 bis 10% | 16 | 70 | 32 |
| 11 bis 25% | 15 | 17 | 23 |
| 26 bis 50% | 51 | 5 | 35 |
| 50% und mehr | 14 | 2 | 5 |
Seinen Angaben zufolge kann das System mit dem Namen AI Image Verification überprüfen, ob die Retouren den Rückgabe-Richtlinien des Versenders entsprechen. Dazu gehört etwa die Vorgabe, dass die Produkte nur anprobiert, aber nicht über einen längeren Zeitraum getragen werden dürfen. Zudem muss sich das Originaletikett noch an der Ware befinden.
Burju Shoes hatte diese KI-Technik bitter nötig. Schließlich waren zuvor mehr als % der Schuhe abgenutzt und unverkäuflich bei dem US-amerikanischen Schuh-Label angekommen. Der manuelle Überprüfungsprozess habe das Retourenteam überfordert und den Betrieb verlangsamt, berichtet Frate in einem Anwenderbeispiel. "Darüber hinaus bedeutete jede Rückgabe ohne Umtauschoption Umsatzeinbußen."
Mithilfe der KI-gestützten Bildverifizierung sei es Burju gelungen, % der Rücksendungen in einen Umtausch umzuwandeln. So seien die Kunden dem Unternehmen treu und die Umsätze Burju geblieben.
**So stark können die Retouren wieder vermarktet werden**
Retournierte Artikel, die als A-Ware erneut in den Verkauf gehen. Drei moderelevante Produktkategorien im Vergleich. Anteil in Prozent.
Lesebeispiel: Bei 13% der Online-Händler von Home and Living-Produkten können alle Retouren als A-Ware erneut verkauft werden.
| Anteil der Vermarktung als A-Ware | Kategorie | Anteil |
|:-----------------------------------|:----------------------|:-------|
| 100 % ( Alle Retouren werden als A-Ware vermarktet) | Wohnen und Einrichten | 13% |
| | Sport und Freizeit | 6% |
| | Fashion und Accessoires | 11% |
| 76 bis 100 % | Wohnen und Einrichten | 40% |
| | Sport und Freizeit | 67% |
| | Fashion und Accessoires | 71% |
| 51 bis 75 % | Wohnen und Einrichten | 7% |
| | Sport und Freizeit | 0% |
| | Fashion und Accessoires | 4% |
| 26 bis 50 % | Wohnen und Einrichten | 7% |
| | Sport und Freizeit | 0% |
| | Fashion und Accessoires | 4% |
### KI-basierte Bilderkennung bei Amazon
Der weltgrößte Online-Händler Amazon nutzt KI-basierte Bilderkennung zur Beurteilung von Produkten, bevor diese in den Versand gehen. Dazu werden sogenannte Computer Vision-Modelle mit Referenzbildern aus dem Katalog und selbst geschossenen Fotos trainiert, sodass die Anwendung die Produkte automatisiert auf Schäden untersuchen kann.
Darüber hinaus hat das Wissenschaftsteam von Amazon ein multimodales Large Language Model (MLLM) eingeführt, das darauf trainiert wurde, Schäden zu erkennen und diese in einfacher Sprache zu melden. Ferner nutzt der US-Konzern ein generatives KI-System, das ein MLLM verwendet, um die Ursachen für negative Kundenerfahrungen zu ermitteln.
"Das System überprüft zunächst das Kunden-Feedback zu dem Problem und analysiert dann die Produktbilder, die in den Bilderkennungstunneln und anderen Datenquellen gesammelt wurden, um die Ursachen zu bestätigen", heißt es auf der Website der Konzernsparte Amazon Science.
**Hohe Wiederverwertbarkeit von Mode-Retouren**
Anteile der retournierten Artikel, die im deutschsprachigen Online-Handel mit Mode und Accessoires als A-Ware vermarktet werden können.
Lesebeispiel: 11% der 28 befragten Online-Modehändler von Mode und Accessoires in der DACH-Region können alle Retouren wieder als A-Ware vermarkten.
* 100% (Alle Retouren werden als A-Ware vermarktet) - 11%
* 76 bis 99% - 71%
* 51 bis 75% - 4%
* 26 bis 50% - 4%
* 1 bis 25 % - 7%
* Null (Keine Retouren wird als A-Ware vermarktet) - 3%
### Hier kommt KI schon zum Einsatz
In der deutschen Logistik kommt KI ebenfalls nur bei Prozessen zum Einsatz, die der Retourenbearbeitung vorgelagert sind, zum Beispiel bei der sogenannten Vorwärtslogistik (vom Versender zum Kunden) und der Retourenvermeidung. So verwendet etwa der Online-Modehändler Zalando Künstliche Intelligenz bei seinen Angeboten digitale Größenberatung und virtuelle Anprobe sowie bei der Optimierung der Retourenprozesse.
"Wir haben ein Projekt abgeschlossen, das mithilfe von KI ermittelt, welcher Standort in unserem Netzwerk für die jeweilige Retoure am besten geeignet ist", berichtet Daniel Jeßke, der beim Berliner E-Fashion-Konzern als Head of Service Provider Management arbeitet.
### So nutzt Zalando KI
Ziel sei es, ein leistungsfähiges Logistik- und Retourennetzwerk zu betreiben, das sich ständig weiterentwickelt und neue Technologien sinnvoll einsetzt. "So hilft uns KI beispielsweise dabei, Retouren intelligenter zu steuern, die Transportwege zu verkürzen, die Ressourcen effizienter zu nutzen und die Produkte schneller wieder in den Verkauf zu bringen", erklärt Jeßke.
Der Bremer Logistik-Dienstleister BLG setzt beim Workwear-Anbieter Strauss KI-gestützte Autonomous Mobile Robots ein. Diese transportieren Behälter innerhalb des Retourenzentrums. "Dabei navigieren sie autonom durch das Lager, entlasten die Mitarbeitenden auf ihren Laufwegen und sorgen für einen kontinuierlichen Materialfluss", erklärt der Contract Geschäftsführer von BLG, Thomas Leiber.
### Klarer Trend zur Teilretoure
So haben sich die Retourenabsichten im deutschen Online-Handel seit Anfang 2023 entwickelt.
Basis: Verbraucherumfrage des E-Commerce-Verbands, für die 40.000 Personen im Laufe eines Jahres interviewt werden.
*(Diagramm zeigt "Ich plane, alle Waren zurückzuschicken" und "Ich plane, einige Waren zurückzuschicken" von Q1 2023 bis Q1 2025 mit Werten zwischen 6,7% und 20,2%.)*
Er ist überzeugt, dass "hochautomatisierte Anlagen mittels KI zu permanent lernenden Anlagen werden". Darüber hinaus könne die Prognose des Arbeitsaufwands mithilfe von KI vereinfacht werden.
Laut einer veröffentlichten Retourenstudie des Handelsforschungsinstituts EHI nutzen hierzulande % der Händler KI-basierte Systeme im Retourenprozess. Vor allem für Prognosen, die Qualitätsprüfung und die Kundensegmentierung. Weitere % planen eine Einführung intelligenter Tools.
**Einsatzgebiete von KI in der Mode**
Einsatzfelder sind neben der Retourenprognose und Größenberatung unter anderem die Betrugserkennung und Logistiksteuerung. Bei der Logistiksteuerung bestimmt die KI, welche Retoure wohin geht. Zur Auswahl stehen etwa die Reparatur oder der Verkauf im Secondhand-Modehandel.
Der E-Commerce-Berater Wenzel geht davon aus, dass KI-Tools die größte Hebelwirkung bei der Retourenvermeidung haben. "Dort kann KI bei allen relevanten Stellschrauben helfen – von passend produzierten Produkten, besseren Größen- und Passformempfehlungen, besseren Darstellungen und Informationen bis hin zu besseren Behavioral Nudges und Betrugserkennung", erklärt der ehemalige Deutschland-Geschäftsführer von Ebay.
Er ist überzeugt, dass sich dadurch "zweistellige Effekte" erzielen lassen. Das Gleiche gelte für das Handling und Management von Retouren. Dort könne KI dabei helfen, "mehr Genauigkeit bei Mengen, Prozessen, Last und Routen zu erreichen". Damit lasse sich auch die Geschwindigkeit der Prozesse erhöhen, mit denen die Ware wieder in den Verkauf oder die Verwertung gebracht wird.
Ein Beispiel ist die intelligente Prognostik von Hermes Fulfilment, mit der die Otto Group-Tochter zusammen mit dem jeweiligen Handelskunden bereits bei der Beurteilung der Retouren dessen künftigen Lagerort bestimmt.
Dazu zählt unter anderem das automatische Retourenlager (ARL), das sich am Logistikstandort Haldensleben in Sachen-Anhalt befindet. Es ist vollständig in das Retourenmanagement-System von Hermes Fulfilment integriert, um diejenigen Modeartikel wieder schnell in den Verkauf zu bringen, die als neuwertig beurteilt wurden.
Das ARL bietet Unternehmensangaben zufolge 30.000 Wannen mit zurückgeschickten Artikeln Platz, die mit Hilfe eines kombinierten Lager- und Transportsystems, der sogenannten Shuttle-Technik, automatisch ein- und ausgelagert werden.
Dafür stehen 18 Shuttles zur Verfügung, die sich auf 3 Gassen mit je 24 Ebenen verteilen und die Wannen zu den 21 Kommissionier-Arbeitsplätzen transportieren. Die Kommissionierleistung liegt bei durchschnittlich 30.000 Teilen pro Tag.
Im benachbarten Versandzentrum von Hermes Fulfilment in Haldensleben setzt der Logistikdienstleister seit dem vergangenen Herbst als erstes europäisches Unternehmen den Stretch-Roboter von Boston Dynamics ein. Der autonome Roboter entlädt Container mit Neuware, indem er die Kartons greift und auf ein Förderband legt, das sie ins Hochregallager transportiert.
"Es ist geplant, diese Robotiklösung auf weitere Standorte auszurollen. Denkbar wäre es, den Stretch auch in einem der Retourenbetriebe einzusetzen, die sich in Polen und Tschechien befinden", berichtet der Paketlogistiker Kasprowicz.
### Kosten für Retouren bleiben hoch
Die Modebranche wird die Automatisierung und KI-ifizierung ihrer Retourenbearbeitung in den kommenden Jahren kräftig vorantreiben, da die Kosten für Energie, Transport und Personal stetig steigen. Dabei sind die Summen, die Amazon, Otto & Co jedes Jahr für das Handling der Rücksendungen aufwenden müssen, bereits sehr hoch.
Laut einer Händlerumfrage des EHI aus dem Jahr 2023 müssen 42% der Online-Modehändler für die Bearbeitung einer Retoure 5,01 Euro bis 10 Euro aufbringen. Jeder Vierte muss dafür 10,01 Euro bis 20 Euro einkalkulieren. Jeder Dritte bis zu 5 Euro aus. Und das bei Retourenquoten von durchschnittlich über 50%.
**Das kosten Retouren im Online-Modehandel**
Durchschnittliche Bearbeitungskosten pro retourniertem Artikel im Bereich Mode und Accessoires im deutschsprachigen Raum
* Bis zu 5 Euro - 33%
* 5,01 Euro bis 10 Euro - 42%
* 10,01 Euro bis 20 Euro - 25%
* 20,01 Euro bis 50 Euro - 0%
### Die Stationen der Retourenbearbeitung
Die von der TW befragten Anbieter wollen sich zu ihren Kosten nicht äußern. Deutlich auskunftsfreudiger zeigten sich die Händler Amazon, Otto und H&M sowie die Logistiker Hermes und BLG, wenn es um die einzelnen Stationen der Retourenbearbeitung in ihren Häusern geht. Mithilfe dieser Informationen hat TW einen Ablaufplan erstellt, der die typischen Schritte des Retourenprozesses zusammenfasst.
1. **Wareneingang:** Entladen der Lastwagen bzw. Wechselbrücken
2. **Warenvorbereitung:** Auspacken der Sendungen
3. **Warenbeurteilung:** Kontrolle der Retouren auf Vollständigkeit, Originalverpackung, Gebrauchsspuren wie Gerüche sowie Beschädigungen wie Löcher und Flecken.
4. **Warenaufbereitung:** Wenn nötig, wird die Ware gereinigt, repariert oder gebügelt.
5. **Warenausgang:** Die Lastwagen werden mit Produkten beladen, die als neuwertig beurteilt wurden.
6. **Wiedereinlagerung** der Retouren in den Logistikzentren der Versender, teilweise automatisiert und KI-gestützt.
7. **Preisfindung:** Mithilfe von intelligenter Software, welche die Marktpreise von Hunderttausenden Produkten überwacht, wird der bestmögliche Preis für die retournierte Ware ermittelt, sofern diese nicht als sogenannte A-Ware wieder in den Verkauf gehen kann.
8. **Auswahl des Vertriebskanals:** Die Online-Händler ermitteln per Software, über welchen Vertriebskanal sie den höchsten Verkaufspreis erzielen können. Teilweise werden die Produkte automatisch auf den jeweils aussichtsreichsten Plattformen gelistet. Dazu zählen etwa Online-Marktplätze, Shopping-Clubs sowie spezielle B2B-Auktionsplattformen.
**Maßnahmen zur effizienten Verarbeitung von Rücksendungen**
* Identifikation der Artikel inklusive Zuordnung zum Retourenauftrag - 67%
* Genau definierte Prozesse für die Sichtung der Artikel - 44%
* Genau definierte Prozesse für die Aufbereitung der Artikel - 44%
* Bei Top-Sellern aufbereitete Artikel nicht erst wieder einlagern, sofort wieder für Kaufaufträge zur Verfügung stellen. - 42%
* Andere Maßnahmen - 2%
Lesebeispiel: 24% der befragten Online-Händler haben die Prozesse für die Aufbereitung der Retouren genau definiert.
### Zalando: 2% der Retouren beschädigt
Bei Zalando werden rund 98% der retournierten Kleidungsstücke wieder in den Online-Shops des E-Fashion-Konzerns angeboten. Oder im Shopping-Club des Unternehmens. "Von den 98% der Retouren, die wir weiterverkaufen, kommen über 96% in einwandfreiem Zustand bei uns an und können direkt wieder in unser Sortiment aufgenommen werden. Die übrigen 2% weisen kleinere Mängel auf, die wir in unseren Aufbereitungszentren unkompliziert beheben können", berichtet der Zalando-Manager Jeßke. Bei BLG gehen ebenfalls 98% der Retouren wieder in den Verkauf.
Wenn die Rückläufer nicht als A- oder B-Ware angeboten werden können, entscheiden die Online-Händler, ob sie die Retouren spenden, einem Restevermarkter übergeben oder vernichten.
**Hohes Retourenaufkommen in der Mode**
So hoch waren die Rücksende-Raten 2024 in der deutschen Online-Modebranche und zwei benachbarten Wirtschaftszweigen gewesen.
Lesebeispiel: 2024 haben 51% der Online-Händler von Mode und Accessoires eine Retourenquote von 26 bis 50% verzeichnet.
| | Mode und Accessoires | Wohnen und Einrichten | Sport & Freizeit |
|:------------------|:---------------------|:----------------------|:-----------------|
| Null bzw. fast keine Retouren | 4 | 6 | 5 |
| 1 bis 10% | 16 | 70 | 32 |
| 11 bis 25% | 15 | 17 | 23 |
| 26 bis 50% | 51 | 5 | 35 |
| 50% und mehr | 14 | 2 | 5 |
Amazon hat eigenen Angaben zufolge 2022 insgesamt 19 Millionen Artikel in Europa und den USA gespendet. Der Anteil der Retouren, die in der Regel entsorgt werden müssen, beziffert der E-Commerce-Konzern auf "weniger als 1%". Bei den Textilretouren von Otto sind es sogar nur 0,2%.
Die Verbraucher haben einen ganz anderen Eindruck gewonnen. Bei einer Umfrage von Yougov und Advanced Supply Chain, einem Anbieter für internationale Lieferketten-Lösungen, ging mehr als jeder vierte Befragte (26%) davon aus, dass die Rückläufer "oft" vernichtet werden. Offenbar sind viele Kunden nicht gut informiert. Oder sie haben das nur geträumt.
Weitere Informationen zum Thema Retouren-Management finden Sie in der Case Study-Sammlung "So bearbeiten H&M, Otto, Zalando, Hermes Fulfilment und BLG ihre Retouren" im aktuellen Whitepaper der TextilWirtschaft, dass Sie hier kostenlos herunterladen können. Dieses enthält außerdem ein Interview mit dem EHI-Geschäftsleiter Marco Atzberger, sieben Statistiken rund um das Thema Retouren und zwei Artikel über die neuesten technischen Entwicklungen in der Supply Chain.
### So wird zurückgeschickt
Befragung von 4000 Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland
*(Diagramm zeigt die Entwicklung von "Ja, plane alle Waren zurückzuschicken" und "Ja, plane einige Waren zurückzuschicken" von 2019-2025, mit starken Schwankungen.)*
**Themen:**
Software, Sinn, AI, Zalando, Amazon, Otto Group, Textil, Logistik, Retouren, bevh, Hermes Logistik, EHI Retail, Stefan Wenzel
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Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Weitere Artikel:*
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